Dr. Dietlinde Quack

Unter dem Titel „Ökologisch kaufen – Wie hilft EcoTopTen?“ fand am 20. Oktober 2019 im Frankfurter Club Voltaire eine von Business Crime Control und der KunstGesellschaft veranstaltete Matinee mit Dr. Dietlinde Quack vom Öko-Institut in Freiburg statt. Sie koordiniert dort den Bereich Produkte und Stoffströme. Ihr besonderes Interesse gilt einem nachhaltigen Konsum zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks. Der folgende Beitrag fasst die Thesen und Informationen zusammen, die sie in der Matinee vorgetragen hat.


 

Mit wenig Aufwand eine umweltfreundliche Kaufentscheidung treffen
Ist Ihr Kühlschrank gerade kaputt gegangen oder bei Ihrer Waschmaschine lohnt sich eine Reparatur nicht mehr? Sie möchten als Ersatz gerne ein besonders effizientes Gerät anschaffen? Oder machen Sie sich Gedanken, wie Sie Ihren Stromverbrauch reduzieren können? Dann lohnt sich ein Blick auf die Informationsplattform www.ecotopten.de. Die unabhängige Plattform für ökologische Spitzenprodukte des Öko-Instituts hat das Ziel, Verbraucher*innen die Recherchearbeit für umweltverträgliche Produkte abzunehmen und so eine Entscheidung für den Kauf eines neuen Geräts sowie die umweltverträgliche Nutzung bestehender Geräte zu erleichtern. Das Öko-Institut ist eine der europaweit führenden unabhängigen Forschungseinrichtungen für eine nachhaltige Zukunft. Die Finanzierung der Plattform EcoTopTen erfolgt im Rahmen von Projekten durch unterschiedliche, in der Regel öffentliche Geldgeber.

Herstellerunabhängige Empfehlungen auf Basis anspruchsvoller Mindestkriterien
Die Informationsplattform www.ecotopten,de bietet Verbraucher*innen konkrete und herstellerunabhängige Empfehlungen für Produkte, die anspruchsvollen Mindestkriterien genügen. Diese Kriterien werden von Expert*innen des Öko-Instituts festgelegt und regelmäßig daraufhin überprüft, ob sie z.B. aufgrund der technologischen und/oder Marktenwicklung oder Änderungen der politischen Rahmensetzung angepasst werden müssen. Als Mindestkriterien werden beispielsweise der maximale Energieverbrauch für einen festgelegten Zeitraum (in der Regel ein Jahr) oder die maximale Leistungsaufnahme in bestimmten Betriebszuständen festgelegt.
EcoTopTen versteht sich dabei als Schirmkonzept, das sich ganz bewußt soweit möglich auf bereits vorhandene Label und Umweltzeichen sowie Regulierungen bezieht. Dabei spielt insbesondere die für viele Elektrogeräte EU-weit vorgeschriebene Energieverbrauchskennzeichnung („EU-Energielabel“) eine wesentliche Rolle. Von Kühlschränken oder Waschmaschinen kennen viele Vebraucher*innen das EU-Energielabel (z.B. „A+++“), das im Handel bzw. am Point of Sale auf den jeweiligen Geräten angebracht bzw. in der Produktbeschreibung veröffentlicht sein muss. Aufgrund der standardisierten Messverfahren, die hinter den auf dem EU-Energielabel veröffentlichten Werten zu Energieverbrauch und/oder Leistungsaufnahme sowie anderen Parametern (z.B. Wasserverbrauch, Lärmemissionen etc.) stehen, lassen sich Geräte der gleichen Produktkategorie untereinander vergleichen. Dieser Vergleich trägt auch dann, wenn die individuellen Nutzerverhalten von Verbraucher*innen natürlich unterschiedlich sind und die tatsächlichen Stromverbräuche im Haushalt von den unter Standardbedingungen ermittelten Werten auf dem Label abweichen.
Auch wenn das EU-Energielabel durch die damit erreichte Transparenz am Point of Sale Verbraucher*innen bei der Kaufentscheidung hilft, so handelt es sich doch (nur) um eine Deklarationspflicht für die entsprechenden Geräte. Die Auswahl eines besonders energieeffizienten Geräts muss dennoch von der Verbraucher*in getroffen werden, denn das EU-Energielabel müssen alle Geräte der entsprechenden Produktgruppen tragen. Die derzeitige Situation, dass für manche Prouktgruppen wie beispielsweise Kühlschränke „A+“ die schlechteste noch erlaubte Energieeffizienzklasse ist, für andere Produktgruppen, wie beispielsweise Wäschetrockner, „A“ aber die beste Energieeffizienzklasse ist, ist für Verbraucher*innen verwirrend.
Vorteil des Vorgehens bei EcoTopTen ist es vor diesem Hintergrund, dass Verbraucher*innen sich nicht mehr mit den einzelnen Labeln, Auszeichnungen etc. auseinandersetzen müssen, sondern auf www.ecotopten.de direkt die aus Umweltsicht besten Geräte finden können..

Bestproduktelisten helfen das passende Modell auszuwählen
EcoTopTen veröffentlicht seine Empfehlungen in den 10 Produktclustern Beleuchtung, Wärme, Strom, große Haushaltsgeräte, kleine Haushaltsgeräte, Fernseher, Computer/Büro, Mobilität, Lebensmittel und Textilien. Für insgesamt 23 Produktgruppen werden dabei regelmäßig aktualisierte Bestproduktelisten bereitgestellt, die auf Herstellerabfragen basieren. Auf diesen Bestproduktelisten finden Verbraucher*innen konkrete Modelle unterschiedlicher Hersteller, die jeweils die Mindestkriterien erfüllen, und auf dem deutschen Markt erhältlich sind. Neben der genauen Modellbezeichnung und relevanten Geäteparametern enthält die Liste auch den mittleren Kaufpreis, ermittelt auf Basis des Medianpreises der bei der Preisvergleichsplattform idealo vorliegenden Angebote, sowie die Folgekosten (z.B. Strom- und Wasserkosten) und die jährlichen Gesamtkosten. Für die Ermittlung der jährlichen Gesamtkosten wurde die durchschnittliche Gerätelebensdauer zugrunde gelegt sofern vom jeweiligen Hersteller nicht eine längere Lebensdauer nachgewiesen wurde. In den Bestgerätelisten sind damit kompakt die wesentlichen Informationen für eine Kaufentscheidung zusammengestellt und sie nehmen Verbraucher*innen umfangreiche Recherchen z.B. zu den energeieeffizientesten Geräten etc. ab.
Neben den konkreten Produktlisten, die Verbraucher*innen bei der Kaufentscheidung unterstützen, bietet EcoTopTen aber noch mehr: Zum einen sind unter der jeweiligen Rubrik „Kauftipps“ Tipps zusammengestellt, wie grundsätzlich ein neues Gerät ausgewählt werden sollte. Dies betrifft beispielsweise die Wahl der passenden Gerätegröße. Die Empfehlung lautet generell, ein neues Gerät so klein wie möglich zu wählen. Das ist nicht nur umweltverträglicher sondern spart auch Folgekosten durch einen geringeren Energie- und ggf. Wasserverbrauch und ist in der Anschaffung meist günstiger. Hinzukommen je nach Produktgruppe spezifische Empfehlungen, wie z.B. dass es energiesparender ist eine Gefriertruhe statt eines Gefrierschranks zu wählen oder dass ein Kühlschrank ohne Gefrierfach etwa ein Drittel weniger Energie verbraucht als ein gleich großes Gerät mit 4-Sterne-Fach.

Ein vorzeitiger Ersatz lohnt sich nicht für alle Geräte
Im Rahmen der Kauftipps wird regelmäßig auch auf eine Frage eingegangen, die häufig von Verbraucher*innen gestellt wird: Wann lohnt es sich, ein funktionierendes Gerät durch ein neues Gerät zu ersetzen? Dieser sogenannte vorzeitige Ersatz kann aus Umweltsicht dann sinnvoll sein, wenn das neue Gerät so viel energieeffizienter in der Nutzung ist, dass der umweltbezogene Mehraufwand durch die kürzere Lebensdauer des ersetzten Gerätes überkompensiert wird. Vor dem Hintergrund der seit Jahren schon steigenden Energieeffizienz der auf den Markt gebrachten Neugeräte tritt dieser Fall bei Haushaltsgeräten heute nur noch bei folgenden Produktgruppen auf: Bei Wäschetrocknern kann sich die Anschaffung eines besonders effizienten Neugeräts sehr schnell amortisieren, wenn der vorhandene Wäschetrockner die Energieeffizienzklasse B oder C besitzt. Bei einer vorhandenen Spülmaschinen mit Energieeffizienzklasse A und schlechter kann der vorzeitige Ersatz sinnvoll sein, ebenso bei Kühl- und Gefriergeräten mit Energieeffizienzklasse B und schlechter. Wichtig ist dabei, dass das jeweilige Neugerät die beste Energieeffizienzklasse besitzt sowie die Wahl von Gerätegröße und Funktionsumfang ähnlich ausfällt wie beim bestehenden Gerät. Für bestimmte Produktgruppen, wie beispielsweie Fernsehgeräte, Computer, Drucker, Smartphones gilt demgegenüber generell, dass funktionierende Geräte so lange wie möglich genutzt werden sollen. Aus Umweltsicht lohnt sich ein vorzeitiger Ersatz nicht.

Empfehlungen für eine umweltverträgliche Nutzung
EcoTopTen gibt zum anderen in der Rubrik „Spartipps“ auch Empfehlungen wie man vorhandene Geräte umweltverträglich nutzen kannn. Vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren in vielen Produktgruppen gestiegenen Energieeffizienz, ist die Bedeutung davon gestiegen wie die jeweiligen Geräte genutzt werden. So macht es einen Unterschied, ob eine Waschmaschine vorwiegend halb befüllt vorwiegend im 60°C-Programm betrieben wird oder ob sie immer maximal befüllt im 30°C- oder 40°C-Programm genutzt wird. Möglichst niedrige Waschtemperatur und maximale Befüllung sowie die Nutzung der Eco-Programme tragen dazu bei, dass Strom- und Wasserverbrauch möglichst niedrig sind. Dieser Tipp gilt im Prinzip auch für Spülmaschinen. Bei Kühl- und Gefriergeräten ist es wichtig, dass der Aufstellort nicht zu warm ist und dass die Lüftungsöffnungen und Lüftungsgitter nicht abgedeckt und verstaubt sind. Im Bereich Beleuchtung sind durch den Austausch von Glüh- und Halogenlampen gegen effiziente LED-Lampen besonders große Einsparungen möglich. Allerdings besteht die Gefahr, dass vor dem Hintergrund des Wissens, dass es sich um eine besonders effiziente Technologie handelt, weniger darauf geachtet wird, die Lampen auszuschalten, wenn sie nicht genutzt werden. Dieser sogenannte Rebound-Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass LED-Lampen heute in vielen Bereichen eingebaut werden, die vorher ohne Beleuchtung ausgekommen sind.

Politische Rahmensetzung bleibt wichtig
Verbraucher*innen können mit ihren Kaufentscheidungen und ihrem Nutzungsverhalten dazu beitragen den ökologischen Fußabdruck ihres Konsums zu senken. EcoTopTen kann sie dabei in zahlreichen Produktbereichen mit gezielten Infomationen unterstützen. Es soll an dieser Stelle aber auch darauf hingewiesen werden, dass es neben dem individuellen Verbraucherverhalten ganz wesentlich darauf ankommt, dass der politische Rahmen so gesetzt wird, dass umweltverträgliche Entscheidungen erleichtert und umweltverträgliche Alternativen möglichst leicht zugänglich sind. Hierfür wird ein entsprechender ordnungsrechtlicher Rahmen benötigt. Für viele Haushaltsgeräte hat insbesondere die EU-Ökodesign-Richtlinie dazu beigetragen, dass besonders ineffiziente Geräte überhaupt nicht mehr auf den Markt gebracht werden dürfen. Für Verbraucher*innen ist es daher auch ohne umfangreiche Recherche einfacher geworden, die Kaufentscheidung für ein vergleichsweise effizientes Gerät zu treffen, da bestimmte ineffiziente Geräte gar nicht mehr zu Wahl stehen. Gemeinsam mit der EU-Richtlinie zur Energieverbrauchskennzeichnung, die Transparenz und Produktvergleiche ermöglicht, hat die EU-Ökodesign-Richtlinie außerdem den Wettbewerb der Hersteller für effizientere Geräte und eine entsprechende Geräteentwicklung angetrieben. Ein prominentes Beispiel hierfür ist das sogenannte Glühlampenverbot, das zwar auch viel Kritik erfahren hat, aber vor allem dafür gesorgt hat, dass heute eine große Design-Vielfalt effizienter LED-Lampen auf dem Markt ist.